Die Zukunft des Schweizer Metakatalogs swissbib / Le futur du métacatalogue swissbib

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Einiges wurde bereits berichtet, vieles blieb aber bislang noch offen: Wie geht es weiter mit swissbib nach dem Start der Swiss Library Service Platform SLSP am 1. Januar 2021? Nach einem Jahr intensiver Klärungsgespräche können wir nun erste konkrete Aussichten formulieren.

Metakatalog Schweiz und Discoveries

Ab dem 1. Januar 2021 wird SLSP das neue Discovery für Bibliotheksbestände in der Schweiz stellen. In einem ersten Schritt werden primär wissenschaftliche Bibliotheken aus den bisherigen Verbünden IDS und RERO darin enthalten sein. Danach ist jedoch geplant, die Teilnehmerbasis von SLSP kontinuierlich auszuweiten sowie über ein hybrides Verfahren auch Drittsysteme anzubinden. Auch die lokalen swissbib Discoveries werden migriert bzw. teilweise abgestellt:

  • swissbib orange für die Bestände der Bibliotheken in Bern und Basel wird durch SLSP bzw. Primo VE abgelöst.
  • swissbib blau: Die Vereinigung der Juristischen Bibliotheken der Schweiz (VJBS) hat sich entschieden, ihren Katalog einzustellen.

Eine gemeinsame Mitteilung der Direktion der UB Basel, des swissbib-Beirates und SLSP (16.01.2020) schildert die Details:

„Ablösung von swissbib grün durch SLSP

Ende 2020 wird die UB Basel die Dienste von swissbib einstellen im Zuge der Inbetriebnahme des nationalen Angebotes von Swiss Library Service Platform (SLSP). Die Mehrheit der in swissbib beteiligten Bibliotheken und der Grossteil der Schweizer Bibliotheksbestände werden von der SLSP Discovery-Lösung ab Go-Live oder in der «zweiten Welle» abgedeckt. Für die Einbindung weiterer Bibliotheken, die nicht planen SLSP beizutreten, sind Lösungen bzw. Produktentwicklungen seitens der Firma Ex Libris in Aussicht gestellt worden.

Mit dem Go-Live von SLSP Ende 2020 wird ein Grossteil der Hochschulbibliotheken und viele andere wissenschaftliche Bibliotheken der Schweiz über das Discovery-Tool von SLSP auf Netzwerkebene recherchierbar sein. Diese Oberfläche ermöglicht auch einen direkten Zugang zu allen elektronischen Beständen und eine nahtlose Anbindung an alle Benutzungsfunktionalitäten inkl. Kurier.

In einer «zweiten Welle» sollen weitere Hochschul- und wissenschaftliche Bibliotheken zu SLSP stossen und ebenfalls in das Discovery eingebunden werden. Hierzu gehören andere Einrichtungen, die bereits Alma nutzen (beispielsweise Alexandria-Verbund) sowie weitere Bibliotheken, die einen Systemwechsel zu Alma planen (beispielsweise Bibliotheksverbund Graubünden, St. Galler Bibliotheksnetz, Liechtensteinische Landesbibliothek und Sistema Bibliotecario Ticinese).

Allerdings kann nicht davon ausgegangen werden, dass sämtliche von swissbib abgedeckten Bibliotheken von dieser «zweiten Welle» erfasst werden können. Somit wird es auch mittelfristig Bibliotheken geben, die nicht über das Discovery von SLSP recherchierbar sind. Hier handelt es sich voraussichtlich um kleinere bis mittelgrosse Kantonsbibliotheken sowie wissenschaftliche Spezialbibliotheken, die nicht Alma als Bibliothekssystem einsetzen. Um diese Drittsysteme nahtlos und ohne grossen technischen Aufwand in das schweizweite Discovery einzubinden, braucht es weitere Produktentwicklungen bei der Firma Ex Libris. Diese werden von Ex Libris in Aussicht gestellt, allerdings ohne Nennung eines konkreten Termins. Der zumindest vorübergehende Ausschluss dieser Bibliotheken aus dem nationalen Rechercheportal wird vom swissbib-Team an der UB Basel und dem Beirat von SLSP bedauert.

Allerdings hält SLSP am Ziel eines schweizweiten Discovery-Tools für alle wissenschaftlichen Bibliotheken fest und wird die Entwicklungen bei Ex Libris eng verfolgen. Idealerweise könnte die Bildung eines hybriden Discoveries (also mit Einbindung von Drittsystemen) direkt im Anschluss an die oben genannte «zweite Welle» in Angriff genommen werden.

Marie-Christine Doffey (Direktorin Schweizerische Nationalbibliothek) und Martin Good (Direktor BCU Fribourg) bedanken sich im Namen des SLSP Verwaltungsrates und SLSP Beirats beim swissbib Team für den ausgezeichneten und zuverlässigen Service von swissbib grün, den die Basler Kolleginnen und Kollegen während vieler Jahre zur Verfügung gestellt haben. Aus nationaler Sicht ist bzw. war swissbib ein Vorzeigeprojekt, das einerseits innovative technische Entwicklungen aufgegriffen und vorangetrieben hat, und andererseits für die Kundinnen und Kunden über alle Bibliotheksverbünde hinweg eine einheitliche Suchoberfläche angeboten hat.

Eine abschliessende Würdigung der Leistungen des swissbib Teams und ein Dankeschön an alle teilnehmenden Bibliotheken für ihre regelmässigen Datenlieferungen und grosszügige finanzielle Unterstützung während der letzten zwei Jahre soll gesondert und gegen Ende des Jahres erfolgen.“

Nationallizenzen und Private User Remote Access (PURA)

Mit der am 29. November 2019 durch SLSP publizierten Mitteilung, dass der operative Teil des Konsortiums der Schweizer Hochschulbibliotheken in SLSP integriert wird, ist bestätigt, dass die Nationallizenzen künftig auch im SLSP-Discovery implementiert werden. Der jüngste Service von swissbib – Private User Remote Access PURA – kann durch den Einsatz von SWITCH edu-ID in SLSP ebenfalls realisiert werden. Für Details dazu empfehlen wir die direkte Kontaktaufnahme mit SLSP.

Schnittstellen zu den bibliografischen Metadaten

swissbib bietet heute neben den Discoveries auch offene Schnittstellen verschiedenster Art für den Metadatenbezug an. Diese können ab Ende 2020 von uns nicht weiter bedient werden (das genaue Datum werden wir noch kommunizieren). Den automatischen Datenexport nach WorldCat wird SLSP eigenständig weiterführen, auch die Anbindung an das Kartenportal bleibt bestehen.

Weitere Daten- und Schnittstellennutzer bitten wir, sich direkt bei SLSP zu melden, um die Möglichkeiten und Konditionen für den Metadatenbezug zu klären.

Know-How (und dessen Weitergabe) im Bereich Dataprocessing

Die Personen hinter swissbib waren in den vergangenen Jahren rege im Bereich der Weitergabe ihres Know-Hows unterwegs – an Tagungen und in verschiedenen Weiterbildungskursen wurden die Erfahrungen und Services präsentiert und erläutert. Diesen Geist möchten wir uns bewahren. Die im Rahmen von swissbib erarbeiteten Skills im Bereich Dataprocessing und Datentransformation und -anreicherung wird die Universitätsbibliothek Basel in Zukunft in anderen Projekten einsetzen und nachnutzen können.

Verfügbarkeit der Medien von RERO / Disponibilité des documents de RERO

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Seit Anfang Juli ist es möglich, die Verfügbarkeit von Dokumenten aus dem Bibliotheksverbund RERO direkt in swissbib einzusehen. Auf einen Blick sehen Sie, ob ein Dokument in RERO verfügbar oder ausgeliehen ist.

Das ist einerseits in der Ergebnisliste möglich:

Screenshot zur Verfügbarkeitsanzeige

Sowie auch in der Detailansicht eines Mediums:

Screenshot zur detaillierten Verfügbarkeitsanzeige
Screenshot zur Verfügbarkeitsanzeige

Verfügbarkeitsanzeige / Disponibilité dans la liste des Résultats

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In den Feedbacks der Nutzerumfrage 2017 wurden nicht wenige Verbesserungswünsche und Ideen geäussert (vgl. auch unseren Beitrag vom letzten Sommer). Von diesen haben wir unter anderem folgendes aufgegriffen:

Verfügbarkeitsanzeige in der Ergebnisliste

Der Weg von der Recherche nach Medien bis hin zur Verfügbarkeitsanzeige (unter „Standorte & Bestellen“) kann bisweilen umständlich bzw. mit einigen Klicks verbunden sein. Deshalb findet man neu bereits in der Ergebnisliste einer Recherche einen ersten Hinweis auf die Verfügbarkeit.

Screenshot zur Verfügbarkeitsanzeige
Mit einem Klick auf „6 Bibliotheken“ zeigt sich in der Liste der besitzenden Bibliotheken neu bereits neben dem Namen, ob ein Medium verfügbar ist.
Mit einem Häkchen markiert werden alle Medien, die nicht ausgeliehen sind oder grundsätzlich online zur Verfügung stehen (ohne speziell zu prüfen, ob die Verfügbarkeit auch für eine konkrete Nutzerin gilt – bspw. ob ich als Studentin der Universität Bern Zugriff auf ein lizenziertes e-Book der ETH Zürich habe).
Ebenso markiert wird, wenn ein Medium ausgeliehen ist.

Einige Bibliotheksnetzwerke bieten diese Art von Informationen nicht in einer brauchbaren Weise an (bzw. sie kann nicht klar zugeordnet werden), so dass diese Informationen nicht immer angezeigt werden. Wir arbeiten derzeit daran, die Übersicht möglichst zu vervollständigen.

Bessere Bibliothekssuche / Meilleure recherche par bibliothèques

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In den Feedbacks der Nutzerumfrage 2017 wurden nicht wenige Verbesserungswünsche und Ideen geäussert (vgl. auch unseren Beitrag vom letzten Sommer). Basierend auf den eingegangenen Vorschlägen haben wir uns in letzter Zeit um die Qualität und die Funktionen der Recherche gekümmert.

Strukturierte Bibliotheksfacette

Auf der rechten Seite der Ergebnisliste wurde eine neue Suchfacette hinzugefügt. Diese ermöglicht, die Ergebnisse nach Kanton und Bibliothek zu filtern und bringt so mehr Übersicht in die Facette.

Meine Bibliotheken ❤

In Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihre Favoritenbibliotheken zu meinen Bibliotheken hinzufügen. Nachdem Sie sich angemeldet und eine Suche durchgeführt haben, werden die ausgewählten Bibliotheken in Meine Bibliotheken rechts unter Suche verfeinern angezeigt. Sie können nun mit einem Klick in den Beständen einer dieser Bibliotheken suchen. Darüber hinaus zeigt Ihnen das Herzsymbol ❤ in der Ergebnisliste an, ob der Titel in einer Ihrer Favoritenbibliotheken verfügbar ist.

Karte der Bibliotheken

Eine Karte aller Bibliotheken in swissbib ist ab sofort verfügbar. Insbesondere können Sie so die Bibliotheken finden, die Ihrem aktuellen Standort am nächsten liegen. Unterwegs können Sie die Ergebnisse ganz einfach nach der Bibliothek in Ihrer Nähe filtern.

https://www.swissbib.ch/Libraries

Erweiterte Suche

In der erweiterten Suche ist es möglich, die Ergebnisse auf eine oder mehrere Bibliotheken zu beschränken.


Wie immer freuen wir uns über Feedbacks und Ideen, was wir noch besser machen könnten – in der Kommentar-Funktion des Blogs oder per E-Mail.

swissbib version 5

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Seit etwas mehr als zwei Monaten stellt swissbib Schritt für Schritt auf Version 5 um. Viele Komponenten der Software, die swissbib bilden, wurden aktualisiert.

Benutzeroberfläche (VuFind)

Für unsere Benutzeroberfläche verwenden wir die Open-Source-Software VuFind. Mit dem jüngsten Update arbeiten wir nun mit VuFind Version 5. Dieses Update bringt für swissbib folgende wichtigsten Verbesserungen mit sich:

  • VuFind 5 ist vollständig kompatibel mit der Bibliotheksverwaltungssoftware Alma von Ex Libris. Durch die Verwendung der APIs von Alma ist es nun auch möglich, direkt in VuFind Ausleihen einzusehen, Dokumentenlieferungen aufzugeben, ein neues Konto zu erstellen usw. Dies könnte nicht nur bei den heute bereits im Einsatz befindlichen Alma-Systemen (bspw. Alexandria-Verbund, Nationalbibliothek) helfen, sondern auch beim kommenden Verbund SLSP.
  • Dank verschiedener Optimierungen ist VuFind 5 schneller als seine Vorgängerversion. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass auch das von VuFind verwendete Zend Framework aktualisiert wurde. Die heute eingesetzte Version 3 von Zend hat ebenfalls wichtige Weiterentwicklungen zu seinen Vorgängern erfahren.
  • VuFind 5 ist mit dem neuen Europäischen Datenschutzgesetz (DSGVO) kompatibel.
  • Viele weitere Verbesserungen sind online dokumentiert.

Suchmaschine (Apache Solr)

Für unsere Suchmaschine verwenden wir die Open-Source-Software Apache Solr. Wir arbeiten nun mit der Version 7.3 dieser Software (statt der Version 4). Derzeit verfügt swissbib über 30 Millionen Dokumente. Bisher haben wir eine „Master-Slave“-Konfiguration verwendet, d.h. die 30 Millionen Dokumente wurden auf jede Maschine kopiert, die als Suchmaschine diente. Dabei stiessen wir an die Grenzen der Machbarkeit einer solchen Architektur. Beim Upgrade auf Version 7 verwenden wir nun eine SolrCloud-Konfiguration. Das bedeutet, dass die Suche auf mehrere Maschinen verteilt wird. Derzeit setzen wir 4 Maschinen ein, die etwa 7,5 Millionen Dokumente enthalten. Dies ist zwar etwas komplizierter zu konfigurieren, hat aber den grossen Vorteil, dass bei zunehmender Dokumentanzahl einfach Maschinen zur Beibehaltung der Performance hinzugefügt werden können.

Linked Data

Auch die Prozesse, die die swissbib-Daten in verknüpfte Daten umwandeln, wurden aktualisiert, insbesondere die Software Metafacture 5, was bereits dazu geführt hat, dass doppelt so viele Autoren in swissbib mit Wikipedia verknüpft sind (vgl. früheren Blog-Artikel zu den Knowledge Cards). Um dies zu sehen, klicken Sie einfach auf das kleine „i“ neben dem Namen eines Autors, z.B. https://www.swissbib.ch/Record/162961022.

Ausblick

Nach diesen wichtigen Updates unserer Infrastruktur sind wir nun in der Lage, neue Funktionen viel einfacher zu implementieren. Einige unserer Projekte der kommenden Monate:

  • Anzeige der Dokumentenverfügbarkeit direkt in der Ergebnisliste
  • Hinzufügen einer Kantons-Facette mit einer Unterfacette je Bibliothek, die es ermöglicht, die Suche gezielt nach Bibliotheken einzuschränken
  • Deutliche Zunahme der Anzahl an Links zwischen den in swissbib präsentierten Autoren (Knowledge Cards) und ihren Entsprechungen auf Wikipedia
  • Verbesserung der Suchqualität und der Vorschläge, wenn keine Ergebnisse gefunden wurden
  • Bessere Dedublierung der Ergebnisse
  • Möglichkeit der Abstimmung und Anreicherung von Daten mit swissbib über OpenRefine und data.swissbib.ch

swissbib mit Personen- und Themeninformationen / Des informations sur les personnes et les sujets dans swissbib

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Auf swissbib.ch stehen drei neue Elemente zur Verfügung, die das Funktions- und Informationsangebot deutlich erweitern.

  • Knowledege Cards für Personen und Themen können während der Recherche über Info-Buttons aufgerufen werden und ermöglichen eine schnelle Orientierung zu einer Person oder einem Thema.
    Zum Beispiel bei dieser Aufnahme: http://www.swissbib.ch/Record/404663893
  • Personen- und Themenseiten enthalten weiterführende Informationen zu einer Person oder einem Thema. Neben den zusätzlichen Angaben sind hier auch Sucheinstiege vorhanden, die eine explorative Suche ermöglichen. So können zum Beispiel Personen mit dem gleichen Genre oder Medien zu untergeordneten Themen entdeckt werden.
    Zum Beispiel:
    Personenseite von Dámaso Alonso
    Themenseite zu Historisches Drama
  • Erweiterte Autocomplete-Funktion, die bei der Eingabe neben Titeln auch VerfasserInnen sowie Themen zur Suche vorschlägt und direkt die Suche in diesen Feldern ermöglicht.

Diese Elemente wurden im Rahmen des Projekts linked.swissbib.ch erarbeitet und wurden nun in Zusammenarbeit mit der Firma Outermedia in swissbib.ch integriert.
Basis dafür ist die Transformation der swissbib-Daten in ein RDF-Serialisat sowie die Verlinkung und Anreicherung der Daten. Datenquellen für die angereicherten Daten zu Personen sind DBpedia und VIAF, sofern sie auf akzeptablem Qualitätsniveau sind. Für die Themen werden die Angaben aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) bezogen.

Weitere Hintergrundinformationen für Interessierte finden Sie im swissbib Wiki unter Integration linked. Dazu ist linked.swissbib.ch Quellecode auf Github verfügbar.

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Entdecken der neuen Möglichkeiten und sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen!

Swissbib data goes linked 3: Präsentation der angereicherten Daten / Présentation des données enrichies

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Serie „swissbib data goes linked“
Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

Das SUK P-2-Projekt linked.swissbib.ch hat zum Ziel, die Daten aus etwa 20 Schweizer Such- und Datendiensten zu verlinken und mit Inhalten aus anderen Quellen wie z.B. DBpedia und VIAF anzureichern. Zu den Herausforderungen in diesem Kontext gehören die Datenmodellierung und das Mapping, die Verknüpfung der Daten, aber auch deren Darstellung bzw. die dazugehörigen Benutzeroberflächen (GUI). Letzteres ist Thema dieses Blogbeitrags.

Abb. 1: Übersicht über die für linked.swissbib erstellten Features und Seiten gegliedert nach Inhaltstyp (Instanz, Werk, Autor, Thema) sowie nach Seitentyp (Startseite, Übersichtsseiten, Trefferseiten, Detailseiten, Knowledge Cards)

Die Erweiterung der Daten und deren neuartige Struktur ermöglichen eine Vielzahl neuer Features und Funktionen, um welche konventionelle Bibliothekskataloge erweitert werden können. Im Projekt linked.swissbib.ch setzt sich das Schweizerische Institut für Informationswissenschaft (SII) an der HTW Chur mit der Erstellung geeigneter Benutzerschnittstellen-Konzepte sowie deren Implementierung (inkl. Suchfunktionalitäten) auseinander. Die Arbeiten können grob in drei Schritte unterteilt werden:

Schritt 1: Ermittlung des State-of-the-Art von LOD-Portalen

Zu Beginn des Projekts wurde eine Analyse der Nutzung von Linked (Open) Data im Kontext von Bibliotheken und wissenschaftlichen Informationsdiensten durchgeführt. Hierfür wurden rund ein Dutzend LOD-Portale (z.B. data.bnf.fr; datos.bne.es) verglichen und Literaturrecherchen realisiert. Mit Hinblick auf die Erstellung eines Portals, das die Suche in den vernetzten Wissensstrukturen sowie deren Visualisierung zulässt, wurde so systematisch der State-of-the-Art in diesem Bereich erhoben.

Abb. 2: Auswahl von Autosugget-Funktionen verschiedener LOD-Portale im bibliothekarischen Bereich

Dabei ging es einerseits darum, Know-How hinsichtlich Einsatzszenarien und potentiellen Mehrwerten aufzubauen, die sich mit einem offenen, flexiblen Datenmodell realisieren lassen. Andererseits war es das Ziel, auf der Basis der State-of-the-Art-Analyse Hinweise zur Realisierbarkeit von Features zu gewinnen und Prioritäten für die Umsetzung von Funktionalitäten für das Portal linked.swissbib zu definieren. Gleichzeitig konnte so auch die Eignung des vorgesehenen Datenmodells überprüft sowie Abstimmungen des Datenmodells und des geplanten Funktionsumfangs vorgenommen werden.

Schritt 2: Prototyp

Auf Basis dieser Analysen wurde mit Hilfe der Software Axure RP ein interaktiver Prototyp des GUI entwickelt. Dieser orientiert sich am Look-and-Feel des Metakatalogs swissbib, wie er heute für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht (www.swissbib.ch). Das GUI-Konzept sowie das Interaktionsdesign des bestehenden Katalogs wurden erweitert, um den neuen Möglichkeiten, die sich aus der Datenverlinkung für die Bereitstellung von zusätzlichen Inhalten ergeben, Rechnung zu tragen.

Abb. 3: Für jede Seite des Prototyps wurde im Rahmen der Erstellung des Interaktionskonzepts ein Clickstream visualisiert, welcher wiedergibt, was bei einem Klick auf ein bestimmtes Element geschieht. Auf diesem Beispiel ist der Clickstream für eine Trefferseite (Tab Autorenseiten) abgebildet.

Die erste Version des Prototyps entstand kurz nach Projektstart, also einem noch frühen Stadium des Projekts, zu welchem die Art und der Umfang der (angereicherten) RDF-Daten noch nicht vorlagen bzw. noch nicht bekannt waren. Dies barg den Vorteil, dass ohne Einschränkungen entworfen werden konnte und der Designprozess (in dieser ersten Phase) keinen Einschränkungen unterworfen war. Der Prototyp wurde daher entwickelt ohne Anspruch auf eine vollständige Umsetzung aller Features und Funktionen innerhalb des Projekts linked.swissbib und stellt vielmehr ein Ideal dar, welche die Möglichkeiten von Linked Data im Rahmen von swissbib aufzeigen soll. Der Prototyp beinhalt bereits eine Festlegung der Angaben (z.B. Auswahl biografischer Daten etc.), die definitive Auswahl hängt jedoch stark davon ab, welche Daten am Ende des Projekts vorhanden sein werden, was zu ständigen Anpassungen der Oberflächenfunktionen führt.

Abb. 4: Via Klick auf ein Icon, welches sich in diesem Fall auf der Trefferliste (Tab Themenseiten) befindet, wird eine Kurzform der Detailseite des Themas „Historische Geografie“ einblendet.

Die prototypische Benutzeroberfläche wurde entsprechend im weiteren Verlauf auf Basis der wachsenden Datengrundlage sowie aufgrund des Feedbacks der Projektbeteiligten kontinuierlich weiterentwickelt und auch bereits ersten Benutzer-Evaluationen unterzogen (einerseits im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Bachelor-Studiengang Information Science der HTW Chur andererseits in mehreren Bachelor-Arbeiten).

Abb. 5: Detailseite Autor: Diese Seite aggregiert Angaben zu einem Autor (z.B. Lebensdaten, assoziierte Bewegung oder Stilrichtung, verwandte Personen), welche grösstenteils in einem Akkordeon („Mehr Details anzeigen“) untergebracht sind. Zusätzlich bieten Untermodule Links zu Medien sowie anderen Detailseiten und Knowledge Cards.

Der aktuelle Prototyp umfasst unter anderem folgende Features und Seiten, welche das Funktions- und Informationsangebot des bisherigen Katalogs erweitern (siehe Abb. 1 für eine grafische Übersicht):

  • Eine erweiterte Autocomplete-Funktion (siehe Abb. 6), welche nicht nur Literatur und Medien aufführt, sondern auch (FRBR-) Werke, Personen und Themen (Schlagworte) und diese als solche kennzeichnet. Die verlinkten und angereicherten Daten ermöglichen ausserdem die Suche in Pseudonymen, alternativen Schreibweisen, anderen Sprachen etc.
  • Detailseiten für Werke (Werkseiten), Autoren (Autorenseiten) und Themen (Themenseiten) (siehe Abb. 5). Hierbei handelt es sich um Aggregationsseiten mit zusätzlichen Angaben zu einem Werk (z.B. Kurzzusammenfassung des Inhalts), Autor (z.B. Lebensdaten, assoziierte Bewegung oder Stilrichtung, verwandte Personen) oder Thema (z.B. über- und untergeordnete Begriffe). Neben den Zusatzangaben sind hier auch „Module“ bzw. Empfehlungen vorhanden, welche zum einen auf Literatur (Medien über einen Autor, Literatur zu einem Thema etc.), aber auch auf andere Detailseiten verweisen (Autoren mit ähnlichen Themen, Werke von Autoren derselben Bewegung, mit einem Autor in Verbindung gebrachte Themen etc.).
  • Übersichtsseiten für Werke, Autoren und Themen, welche als Browsing-Einstieg dienen sollen. Der Nutzer kann hier im Pool von Detailseiten stöbern und die Suche mittels Filter weitereinschränken.
  • Geclusterte Trefferseiten (erreichbar via Suche oder Browsing) mit vier Tabs (siehe Abb. 3 und Hintergrund von Abb. 4): Neu können in der Trefferliste nicht nur Literatur und Medien aufgelistet werden, sondern auch die Detailseiten, wobei für jeden Typ Detailseite (Werkseiten, Autorenseiten und Themenseiten) ein eigenes Tab zur Verfügung steht. In jedem Tab sind die Filter mit Bezug auf Literatur und Medien, Werke, Autoren bzw. Themen angepasst.
  • Knowledge Cards (siehe Abb. 4) für Werke, Autoren und Themen, welche via Klick auf ein Icon eine Kurzform der Detailseite (des entsprechenden Werks, Autors oder Themas) einblenden. Dies ermöglicht eine schnelle Orientierung zu Werk, Autor oder Thema.

Schritt 3: Implementierung

Im Sommer 2015 wurde damit begonnen den Prototyp innerhalb des für linked.swissbib.ch genutzten Discovery Systems VuFind (Zend-Framework) zu implementieren. Die Umsetzung erfolgte dabei zunächst in Form von statischen Webseiten (HTML, CSS) mittels statischer Dummy-Daten. Anschliessend wurde damit begonnen, die Seiten so zu adaptieren, dass deren Inhalte/Daten dynamisch über Abfragen des Suchmaschinenindex‘ (Elasticsearch) aufgebaut werden.

Abb. 6: Erweiterte Autocomplete-Funktion, die Treffer geclustert nach Literatur und Medien, Werke, Autoren sowie Themen vorschlägt und auf eine Trefferliste (grün, „Alle Ergebnisse anzeigen“) oder direkt auf Detailseiten (grau) verlinkt.

Ein wichtiger Bestandteil der Implementierung ist die Integration neuer Suchfunktionalitäten für die Elasticsearch Suchmaschine, welche die Präsentation der verlinkten und angereicherten Daten überhaupt erst zulassen. So wurde beispielsweise eine Multisearch implementiert, welche es erlaubt, mit einer einzigen Abfrage in mehreren „Datentypen“ (also z.B. Werk und Person und Thema) nach dem gleichen Suchparameter (z.B. einer ID) zu suchen. So können zum Beispiel im Falle der Autorenseite anhand der Autoren-ID auch verknüpfte Daten abgerufen werden (z.B. Bild, Lebensdaten, Kurzbiografie). Zusätzlich wurde ein AJAX-Controller in linked.swissbib integriert, welcher es ermöglicht, Daten ohne einen kompletten Page Reload nachzuladen. Anwendung findet dieser beispielsweise in der Knowledge Card: Wird Schiller auf Goethes Autorenseite im Modul „Autoren derselben Epoche“ aufgeführt, kann Schillers Knowledge Card mit Daten befüllt werden, ohne dass die komplette Seite neu geladen werden muss.

Eine weitere Ergänzung, welche bereits implementiert ist, stellt die neu eingebaute bzw. verbesserte Autocomplete-Funktion dar. Hierfür wurde die Bibliothek typeahead.js von Twitter verwendet.

Ausblick

Das Autocomplete, die Personenseiten sowie die Knowledge Cards wurden bei der Umsetzung prioritär behandelt. Diese Elemente sind in der Entwicklung entsprechend am weitesten fortgeschrittenen. In einem nächsten Schritt werden nun Seiten und Funktionen mit Bezug zu Themen (z.B. Themenseite) in Angriff genommen.

Neuerungen in der swissbib-Oberfläche

Seit etwa zwei Wochen ist unsere neue Oberfläche als Responsive Design live. Wir danken für die vielen positiven und gelegentlich auch kritischen Kommentare. Auch aufgrund von Feedbacks konnten wir einige Verbesserungen umsetzen:

  • Die wichtigste Änderung betrifft die Ansicht „Exemplare„. Einzelne Bibliotheken und Gruppen sind besser dargestellt und können auf- und zugeklappt werden. Die Ansicht ist neu auch für kleine Geräte optimiert, auf Smartphones wird die Tabelle als Liste dargestellt.
  • Für die Verbünde NEBIS und IDS Luzern müssen wir wieder auf die klassischen Aleph-Kataloge verlinken, da die Katalogsoftware Primo aktuell keine Anmeldung nach Permalinks ermöglicht.
  • Weitere Tabellen wie beispielsweise in der „Suchhistorie“ sind für die Ansicht auf kleinen Geräten verbessert.
  • Fehler bei der Darstellung von grossen Vorschaubildern wurden korrigiert, ebenso verschiedene Probleme mit Format-Icons.
  • Die Darstellung der „Erweiterten Suche“ wurde optimiert, um die Lesbarkeit auch von langen Einträgen zu garantieren.
  • Die Navigation in der Trefferliste „Weitere Ausgaben“ wurde verbessert und ein „Breadcrumb“ hinzugefügt.
  • Die Metadaten des Zürcher Uni-Repositorys „ZORA“ wurden aktualisiert und Fehler bei Formaten korrigiert.

Der Quellcode dieses Releases findet sich wie immer auf unserem Software-Repository github/swissbib.

swissbib live mit Responsive Design

Seit Montagmorgen 11. Mai 2015 ist unser Katalog www.swissbib.ch mit neu gestalteter Oberfläche in Responsive Design verfügbar. Detaillierte Informationen zum neuen Design finden Sie im letzten Blogpost. Der Umstieg lief ohne Schwierigkeiten, kleinere Fehler konnten im Verlauf des Morgen behoben werden. Bei Fragen oder Problemen können Sie das swissbib-Team jederzeit via Feedback-Funktion kontaktieren.

Der regionale Katalog baselbern.swissbib.ch steht den Studierenden und allen Benutzerinnen bereits seit letzter Woche im neuen Design zur Verfügung, der juristische Fachkatalog jus.swissbib.ch wird im Verlauf dieses Monats umstellen. Damit schliessen wir ein Projekt ab, welches das Team lange und intensiv beschäftigt hat. Die frei gewordenen Kräfte stecken wir in laufende Projekte und Entwicklungen. Unter anderem zu nennen sind dabei:

  • Weiterentwicklung unserer Oberflächen und Suchfunktionalitäten
  • Integration weiterer Verbünde und Repositorien in swissbib
  • Aufbau einer Infrastruktur zur Transformation der bibliografischen Daten von swissbib in ein linked-data-Format und der Integration ins semantic web (linked.swissbib.ch)
  • Anpassung der bibliografischen Daten an das neue Regelwerk RDA Resource Description and Access (Wikipedia: Resource Description and Access)

Wir wünschen weiterhin gute Recherche mit swissbib und viel Freude an Design und Funktionalitäten.

swissbib mit neuer Oberfläche

Im Frühling 2015 wird die Oberfläche von swissbib auf ein neues „Responsive Design“ umgestellt, ab Mitte März zeigen wir davon eine Beta-Version auf test.swissbib.ch. Wir verabschieden uns damit schrittweise von unserem „klassischen“ Webdesign, das vor fünf Jahren von der Firma nose gestaltet wurde. Damit wurde swissbib bekannt und es hat uns auf verschiedenen Software-Plattformen gute Dienste geleistet. Doch für die kleine Welt der Smartphones und der Tablets war es immer weniger gut geeignet.

Als Antwort darauf bezeichnet Responsive Design „ein gestalterisches und technisches Paradigma zur Erstellung von Websites, so dass diese auf Eigenschaften des jeweils benutzten Endgeräts, vor allem Smartphones und Tabletcomputer, reagieren können.“ (Wikipedia: Responsive Webdesign) Wir folgen damit auch der Entwicklung unserer Präsentationskomponente, der open-source-Software VuFind. Bei Design und Entwicklung wurden wir von der Firma snowflake (Zürich) unterstützt.

Swissbib soll den Nutzerinnen und Nutzern auf sämtlichen Endgeräten mit denselben Funktionalitäten zur Verfügung stehen. Wir wollen für unsere Nutzerinnen und Nutzer erkennbar bleiben und swissbib weiterhin unverwechselbar in der Vielfalt der Kataloge und Suchmaschinen positionieren. Gleichzeitig lehnen wir uns stärker an die Entwicklungen im Webdesign und bei VuFind an, um Verbesserungen und Erweiterungen, die aus der Entwicklergemeinschaft kommen, schneller und mit weniger Aufwand zur Verfügung stellen zu können.

Die neue Oberfläche bringt mehrere Neuerungen:

  • Die Menuleiste mit Einstiegen zu Optionen und Informationen befindet sich im unteren Bereich der Seite
  • Filter oder Facetten der Trefferliste sind neu auf der rechten Seite angeordnet
  • Titel ohne Coverbild werden mit neu gestalteten Symbolen für Medientypen dargestellt
  • Symbole sind neu gestaltet, wir stützen uns dabei auf die freie Icon-Bibliothek Font Awesome
  • In einer Vollanzeige kann neu durch ähnliche Einträge zu einem gefundenen Titel geblättert werden (Beispiel: Frühling in Algier).

Weitere Neuerungen folgen. Wir werden in den nächsten Wochen unseren neuen Webauftritt ausbauen und Fehler korrigieren und freuen uns dabei auf ihre Rückmeldungen.